Das neue Buch von Diana Kinnert. Am 8. Dezember erschienen. Jetzt bestellen und in zwei Werktagen geliefert. Exklusiv signiert.
Einatmen. Und ausatmen. Zur Ruhe kommen. In Stille sein. Wer der Lehre der Achtsamkeit folgt, soll zu einem Ort der Einkehr, der Einsicht und der Weisheit gelangen. Was aber, wenn der Ort, der so still und leer und frei sein soll, infiltriert ist von Ideologie? Ist er in Wahrheit Hort des Kapitalismus, an dem Optimierungsdruck erzeugt, Leistungssteigerung gefordert, Erschöpfung verdeckt und Ausbeutung normalisiert wird? Was, wenn die Stimme, die wir an jenem Ort zu hören glauben, nicht die eigene ist, sondern jene von Stress, Effizienz und Konkurrenz? Dann wäre die Achtsamkeit eine Heimtücke des Kapitalismus, ein unmittelbarer Angriff auf den Menschen, dessen Schlaf gestört, Sport instrumentalisiert, Gesundheit bedroht, Genuss tabuisiert, Alter bekriegt, Schwäche missachtet und Gemeinschaft sabotiert wird.
Der Markt alternativer Sinnstiftung boomt. Resilienz ist das Gebot der Stunde. Der Mensch ächzt unter einer Welt im Umbruch, ansteigendem ökonomischen Druck, sozialer Isolation und permanenter Verfügbarkeit. Doch was als wachsendes Bewusstsein und strengere Selbstliebe in Zeiten erhöhter Unsicherheit daherkommt, ist der wohl perverseste Angriff des Kapitalismus auf Körper, Geist und Seele. Er eliminiert Erschöpfung als Widerstandsgeste und sabotiert Gemeinschaft als Mobilisierungsakt. Jeder brav auf seine Yogamatte. Dann abwarten und Tee trinken und aushalten.
Diana Kinnert fordert ein Ende der Geduld und ein Bekenntnis zur Erschöpfung. Nur wer die Überlastungen und Übergriffe von Arbeit und Konsum auf den Menschen anerkennt statt sie wegzuatmen, kann sich zur Wehr setzen. Wer Autonomie am Arbeitsplatz und den Aufstand gegen die Ausbeutung will, muss der verdeckten Selbstoptimierung im Zeitalter der Selleriesäfte und Demutsfloskeln Einhalt gebieten.